ENERGY
Arbeitstitel: MATERIAL MEMORY
MATERIAL MEMORY ist eine künstlerisch-dokumentarische Recherche im Rahmen des Artistic Research Fellowship Energy der Forschungsgruppe Energy – Digital & Decentral an der Hochschule Merseburg.
Das Projekt untersucht die Transformation des Energiesystems an der Schnittstelle von Energieinfrastruktur, Digitalisierung, Landschaft, Arbeit und Bildproduktion. Ausgangspunkt ist eine einfache Handlung: die Generierung eines KI-Bildes durch einen Prompt. Von diesem Moment aus verfolgt die Recherche die Bedingungen, die diesen scheinbar immateriellen Vorgang ermöglichen: Stromversorgung, Rechenleistung, Datenübertragung, Netzbetrieb, digitale Steuerung, Märkte, Materialien und Infrastrukturen.
Im Zentrum steht die Frage, wie ein zunehmend digitalisiertes und dezentrales Energiesystem überhaupt sichtbar, beschreibbar und filmisch erfahrbar gemacht werden kann. Welche Bilder entstehen dort, wo Energie gemessen, prognostiziert, verteilt, gehandelt oder gesteuert wird? Welche Rolle spielen operative Bilder wie Dashboards, Netzvisualisierungen, Prognosemodelle und Interfaces? Und wie verhalten sich diese digitalen Darstellungen zu den physischen Grundlagen der Energiewende: Kabeln, Trassen, Umspannwerken, Rechenzentren, Kühlung, Transportlogistik, Kupfer und Arbeit?
Die Recherche folgt drei miteinander verbundenen Ebenen: der physischen Infrastruktur, der digitalen Infrastruktur und den sozialen, kulturellen und ökonomischen Zusammenhängen, die diese Infrastrukturen begleiten. Dabei interessieren besonders Orte, an denen die Energiewende anschaulich wird: Baustellen, Kabeltransporte, Umspannwerke, Leitwarten, Verteilnetze, Virtual Power Plants, Daten- und Marktprozesse sowie Landschaften, in denen sich technische Transformationen einschreiben.
Methodisch arbeitet das Projekt beobachtend, beschreibend und essayistisch. Es verbindet dokumentarische Aufnahmen realer Infrastrukturen mit Gesprächen, Soundexperimenten, Materialrecherchen, Interface-Beobachtungen und einem selbstreflexiven Voiceover. Der Blick verschiebt sich dabei von der Bildanalyse zur Material- und Systemanalyse: Ein digitales Bild erscheint nicht nur als ästhetisches Ergebnis, sondern als Teil einer größeren Kette aus Energie, Daten, Technik, Markt und Material.
Ziel der Recherche ist es, neue dokumentarische und künstlerische Formen zu entwickeln, mit denen die oft unsichtbaren Prozesse der Energiewende anschaulich werden: nicht als abstraktes System, sondern als konkrete Verbindung von Orten, Menschen, Maschinen, Datenflüssen und Materialien.
Artistic Research Fellowship Energy — Forschungsgruppe Energy – Digital & Decentral, Hochschule Merseburg, 2026
Artistic Research Fellowship Energy — Forschungsgruppe Hochschule Merseburg Energy_ Digital & Decentral, 2026
Sonifikation
Das Tool übersetzt Echtzeit-Energiedaten in Klang. Erzeugungs- und Wetterdaten erneuerbarer Energien in Deutschland werden live über SMARD (Bundesnetzagentur) und Open-Meteo abgerufen und in ein mehrstimmiges Klangsystem übersetzt. Jede Energiequelle — Wind, Solar, Biomasse, Wasserkraft — erhält eine eigene Stimme: Frequenz, Rhythmus und Lautstärke reagieren auf aktuelle Erzeugungs- und Wetterwerte in Echtzeit.